„Alles ist relativ“, das wusste schon der olle Einstein. Aber Intelligenz ist nicht nur relativ, sondern - zum Leidwesen aller halbwegs Gebildeten - sehr ungleich verteilt.
Ob das nun unbedingt am hohen Fernsehkonsum liegt, der die letzten röchelnden Gehirnzellen abtötet, darf bezweifelt werden. Fakt ist aber, dass Intelligenz offensichtlich nicht mehr gebraucht wird. Ohne sie lebe es sich leichter, meinen inzwischen viele. Eine retro-romantische und wissenschaftlich anerkannte Theorie, die Theorie der Idiokratie (die “Herrschaft der Dummen”), scheint immer mehr zur grauen Wirklichkeit zu werden. Dafür sorgt auch das epidemische Phänomen der Neuen Intelligenz.
Bei der Neuen Intelligenz handelt es sich genau wie bei der Neuen Grippe um eine verdammte Seuche. Da man sich aber nicht impfen lassen kann und man betroffene Menschen leider nicht keulen darf, muss man sich wohl oder übel mit dieser aufkeimenden Form der Nachschlag-Intelligenz abfinden. Wissen erlangen bzw. Lernen kann sich heutzutage in eine Reihe stellen mit beliebten Tätigkeiten wie Putzen, Abwaschen oder Mülleimer leeren. Irgendwie muss man es tun, aber eigentlich will man darauf verzichten. Zum Glück ist das Internet zum treuen Begleiter der Betroffenen geworden.
Seitdem es zusätzlich noch mobile Internetgeräte wie das iPhone gibt, muss Otto Normal kein Wissen mehr ansammeln. Es genügt zu wissen, wo er die Informationen findet. Copy & Paste, Fire & Forget: Now can come what want. Er ist auf alles “vorbereitet”. Inzwischen reagiert auch die Bundesregierung auf diese Entwicklung und richtet ganze Universitäten nach diesen Prinzipien aus, auf EU-Ebene nennt man das dann Bologna-Prozess. Wenn Ihnen also jemand, von dem Sie es nicht gewohnt sind, leicht verzögert eine halbwegs intelligente Antwort gibt: Seien Sie lieber vorsichtig, gehen Sie auf Abstand! Derjenige könnte sich mit der Neuen Intelligenz angesteckt haben. Die ist hartnäckiger als Käsekruste.
Eine verminderte Verlaufsform dieser verdammten Seuche wurde ebenfalls in empirischen Feldforschungen der Saugpappe-Research nachgewiesen. Eine eindeutige Symptomatik ist, dass man eigentlich ja viel weiß, aber immer nur das Wissen parat hat, das man gerade überhaupt nicht benötigt. Beispielsweise weiß man, wie man sich vor Arbeit drückt, aber nicht wie man sie schnellstmöglich erledigt. Aber das ist immer noch besser als gar nichts zu wissen. Mit einem guten Buch sollte man diese Form wieder auskurieren können.
Passen Sie also gut auf sich auf, bleiben Sie aufgeklärt und offen. Niesen Sie in Ihre Kniekehle! Dann müssen Sie sich niemals die Frage stellen, unter welcher Influenza Sie stehen.
PS: Falls Sie es noch nicht wussten, Fernsehen führt außerdem zu Asthma.
© Foto dunechaser “Albert Einstein”, flickr.com
